Ein wunderbarer Motivationsschub

11. Juni 2026
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Auszeichnung durch Landeshauptmann Markus Wallner und Sport-Landesrätin Martina Rüscher

Ihr habt es sicher längst den Medien oder meinen Posts entnommen – Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrätin Martina Rüscher haben bei einer feierlichen Zeremonie im Landhaus Bregenz Vorarlbergs Sportlerinnen und Sportler das Jahres 2025 ausgezeichnet. Dreimal hatte ich in den vergangenen Jahren diese Trophäe bereits entgegennehmen dürfen, aber dieses Mal war ich über Platz eins wirklich überrascht.

Vielleicht weil meine Erfolge aus dem Spätwinter 2024/25 doch schon ein bisschen zurückliegen, vor allem aber weil ich weiß, wie viele Vorarlberger Spitzensportlerinnen jedes Jahr Höchstleistungen erbringen und es auch verdienen würden, ganz oben zu stehen. Umso größer war die Freude, dass die für mich emotional so wichtige Bronzemedaille bei der WM in Saalbach und der zweite Platz im Slalom-Weltcup 2024/25 vom Land Vorarlberg und den heimischen Sportjournalisten – sie haben ja die Wahl getroffen – noch einmal honoriert wurden.

Ich möchte mich auch auf diesem Weg noch einmal ganz herzlich bedanken – es war mir eine große Ehre, gemeinsam mit Jonas Müller (Herren), Thomas Steu/Wolfgang Kindl (Mannschaft), Jasmin Heim (Special Olympics) und Maximilian Taucher (Behindertensport) diese hohe Auszeichnung entgegennehmen zu dürfen.

Großes Interesse an meinem Genesungsprozess

Ich bin auch überwältigt, wie viele gute Wünsche und Aufmunterungen mir an diesem Abend für meinen Weg zum Comeback entgegengebracht wurden. Es gibt mir enorm viel Energie und Mut, zu spüren, dass ganz viele Menschen vor allem aus der Welt des Sports hinter mir stehen, an mich denken und sich wünschen, dass ich wieder auf die Schipisten zurückkehren kann.

Natürlich kommt – nicht nur bei diesem Anlass – immer wieder die Frage auf mich zu, wann es denn so weit sein kann. Ich sehe das keineswegs als lästige Neugier und verstehe die Frage nur zu gut: sie beschäftigt mich ja auch.

Ich habe mich deshalb entschlossen, ein Interview auf meiner Homepage zu veröffentlichen. Hier könnt ihr alles erfahren, was ich aktuell sagen kann.

Viel Spaß 😉

 

Katharina, wie geht es dir? Wie läuft die Reha?

Danke, mir geht es wirklich gut. Ich habe allen Grund, dankbar zu sein: Meinen Ärzten und Therapeuten für die großartige Arbeit, meiner Familie und meinem Team für die tägliche Unterstützung und natürlich meinen wunderbaren Fans, die mir so viele Zeichen der Aufmunterung schicken - ich kann es spüren, jeden Tag.

Wie die REHA läuft? Du hast das richtige Wort gefunden - ich bin immer noch in der Therapie, nicht im Training. Es geht ums Gesundwerden. Das habe ich gelernt: Jeden Tag froh zu sein um die kleinen und manchmal auch größeren Fortschritte. Die gibt es Gott sei Dank.

Wo befindest du dich aktuell im Genesungsprozess?

Das ist schwer zu sagen, weil ich zwar den Anfang kenne - den Unfall: aber ich kenne nicht das Ende. Ist es der Tag, an dem ich wieder total beschwerdefrei mit Vollbelastung trainieren kann? Oder wenn ich zum ersten Mal auf den Schiern stehen, gar wieder Rennen fahren werde?

Das ist letztlich auch nicht so wichtig: Meine Ärzte und Therapeuten sind sehr zufrieden, wo ich jetzt stehe, und mein Gefühl sagt auch: es ist gut, es macht ganz viel Hoffnung. Und doch wäre es nicht klug, sich konkrete Ziele zu setzen oder gar Zeitpunkte zu nennen: Das kostet nur viele Energie, weckt Erwartungen und hilft letztlich nicht weiter. Zielstrebig arbeiten, dem Körper alle Zeit geben, die er braucht, dann wird es gut.

Ich weiß, dass es wahrscheinlich noch früh im Prozess ist, aber hast du schon eine Vorstellung davon, wann du hoffst, wieder auf Schnee zurückzukehren?

Ich verstehe, wie interessant diese Frage ist - für mich ist sie es natürlich auch: Aber auch der erste Schneetag ist letztlich nur ein Mosaiksteinchen auf dem Weg zurück. Machen wir es zu früh, folgen vielleicht Rückschläge oder Enttäuschungen. Die medizinischen Berater, die Trainer und mein Gefühl werden mir den richtigen Zeitpunkt nennen. Es wird der Tag sein, an dem alles bereit ist: Mein Körper, mein Kopf und auch mein Herz. Ein Datum dafür habe ich nicht im Kopf, und das ist auch gut so.

Gab es Teamkolleginnen, Trainer oder Betreuer, die besonders wichtig waren und dich während der Reha unterstützt haben?

Ja natürlich - und es hat mir sehr geholfen. Ob mit Besuchen, am Telefon oder über social media: ganz viele haben sich gemeldet und mir Mut zugesprochen. Besonders schön war die Woche auf Mallorca im Mai, wo ich die Teamkolleginnen, die Trainer und Betreuerinnen wieder treffen, mit ihnen plaudern und natürlich - wenn auch noch eingeschränkt - trainieren durfte. Das hat mich enorm weitergebracht - in jeder Hinsicht! Vielen lieben Dank euch allen!

Gibt es bestimmte Meilensteine – jüngere oder ältere –, auf die du besonders stolz bist?

Oh Gott- da gib es so viele: Das erste Mal nach der OP selbst aus dem Bett klettern, später die Krücken weglegen, wieder Autofahren, aufs Rad steigen, die ersten schnelleren Schritte machen, den Schmerz vergessen, weil er nicht mehr da ist: lauter kleine Etappensiege, die ich manchmal auch ganz bewusst gefeiert habe, innerlich zumindest 😉

Nach einem weiteren starken Saisonstart: Wie war es für dich, den Rhythmus und die Konstanz zu verlieren, die ein Weltcup-Leben normalerweise mit sich bringt?

Wir reden vom Verlieren, aber wir könnten auch vom Gewinnen reden: Ja, es hat sich an manchen Tagen schon komisch angefühlt, weil sich bestimmte Abläufe in mehr als einem Jahrzehnt Profisport so verinnerlichen, dass man sie für völlig normal hält und sich nichts anderes vorstellen kann oder will. Aber der Mensch ist nicht nur ein Gewohnheitstier, er kann sich auch schnell auf neue Situationen einstellen, wenn er dazu gezwungen wird. So gab es einerseits irritierende Momente, aber dann bald auch erstaunlich viel Aufbauendes und Ermutigendes: Plötzlich richtig viel Zeit zu haben für Freunde, Bücher, Musik, Spaziergänge ... und, und, und: Ja, es gibt ein Leben abseits des Profisports, und es ist auch sehr lebenswert. Was jetzt aber nicht heißt, dass ich manches nicht auch sehr vermisse und gerne wieder haben möchte. Wie nennt man das? Ambivalenz der Gefühle....

Was hast du während deiner Auszeit am meisten vermisst?

Ich bin eine zielstrebige Trainiererin, die es liebt, mental und physisch an die Grenzen zu gehen. So bin ich von klein auf gestrickt - damit ergibt sich die Antwort von selbst: geduldig zu sein, kleine Schritte zu gehen und sich nicht wirklich auch mal auspowern zu können: ja, das kann ich an manchen Tagen nur schwer akzeptieren. Aber ich komm da ja langsam wieder hin, und dann werde ich es doppelt und dreifach genießen 😉

Was hast du in dieser Zeit am meisten gelernt?

Dass das Leben nicht so gedacht ist, dass jeder Mensch nach seinen Wünschen und Vorlieben seine eigene Geschichte schreibt und bis zu seinem letzten Tag erfolgreich und glücklich dahinlebt. Manches kann man selbst beeinflussen und soll es nach besten Kräften auch tun. Dann aber gibt es das Schicksal, die Vorsehung oder auch nur den Zufall: das gilt es zu akzeptieren. In diesen Situationen ist man gut beraten, sich nicht für den Mittelpunkt der Welt zu halten. Und es ist auch wichtig, zu sehen, was Menschen überall auf der Welt aushalten müssen - ob in Kriegsgebieten oder in der unmittelbaren Nachbarschaft. Das macht demütig und schützt vor Selbstmitleid.

Worauf freust du dich am meisten, wenn du schließlich wieder auf Skiern stehen und Rennen fahren kannst?

Das klingt jetzt vielleicht komisch: einfach auf das Schifahren selbst! Ich liebe es, seit ich drei Jahre alt bin, und ich habe diese Begeisterung nie verloren, auch nicht in schwierigen Zeiten. Den Schnee spüren, die Berge um mich herum, die feinen Schwünge, die Leichtigkeit, einfach das Tun: man kann das kaum in Worte fassen … ach ja: die Rennen, das Prickeln, den Vergleich, das Erfolgsgefühl: Auf all das freue ich mich auch – sehr!

Welche Hoffnungen und Ziele verbindest du mit deinem Comeback?

Zuerst einmal, dass es eines geben wird. Auch wenn viele das für selbst verständlich nehmen, ich tue es nicht. Ich bin zum ersten Mal in so einer Situation, und die Verletzung war schwer. Nun habe ich große Fortschritte gemacht und bin sehr, sehr zuversichtlich. Ich will wieder am Start stehen und glaube fest daran, dass es möglich sein wird. Das ist meine Hoffnung und meine innere Gewissheit, aber darüber hinaus Ziele zu formulieren, wäre töricht. Das werde ich tun, wenn es wieder Sinn macht.

Eure Katharina   😉

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